Mohamed Helmy (1901–1982)

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Mohamed kommt 1901 in Khartoum zur Welt, wo sein Vater als Besatzungsoffizier der britisch-ägyptischen Armee im heutigen Sudan stationiert ist. Später kehrt die Familie nach Kairo zurück. Hier besucht Mohamed ein renommiertes Gymnasium, aus dem viele bekannte Wissenschaftler*innen, Unternehmer*innen und Politiker*innen hervorgehen und auch Widerstandskämpfer*innen gegen die britische Kolonialherrschaft.

Der Abiturient möchte Medizin studieren. Ein Freund empfiehlt die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Mohameds Eltern, die die Unabhängigkeit Ägyptens unterstützen, sind froh, dass er nicht nach London geht und finanzieren sein Studium in Berlin. Die Weimarer Republik erkennt bereits 1922 die Unabhängigkeit Ägyptens an und nimmt diplomatische Beziehungen nach Kairo auf. Ägyptische Student*innen werden eingeladen, zum Studium nach Deutschland zu kommen: Sie zahlen doppelte Studiengebühren und bringen Devisen ins Land. 1925 sind etwa 400 Ägypter*innen der Einladung, in Deutschland zu studieren, gefolgt, 150 davon nach Berlin.

Helmy legt 1929 sein Staatsexamen ab. Er beginnt erst als Praktikant, dann als Assistenzarzt am Städtischen Krankenhaus in Berlin-Moabit zu arbeiten, das vor 1933 wegen ausgezeichneter medizinischer Leistungen zum Universitätsklinikum erhoben wird. 70 Prozent der Ärzt*innen sind jüdisch. Im ersten Jahr des Nationalsozialismus werden 30 der 47 jüdischen Ärzt*innen entlassen oder ‚abgeholt’, vornehmlich Chef- und Oberärzt*innen. Die meisten freigewordenen Stellen werden mit Nazis besetzt, trotzdem fehlen weitere Ärzt*innen. Helmy erhält eine ‚freigewordene‘ Stelle und arbeitet sowohl in der Inneren Abteilung als auch in der Urologie.

Die Nürnberger Rassegesetze sorgen für immer mehr Entlassungen, die jüdischen Ärzt*innen werden ausgeschlossen, vertrieben und verschleppt. Sie werden durch wenig geeignetes, dafür aber ‚arisches‘ Personal ersetzt. Helmy muss mit ansehen, wie Patient*innen reihenweise an Routineeingriffen sterben. Er macht keinen Hehl aus seiner fachlichen und politischen Meinung. Seine Kolleg*innen wollen ihn loswerden, sammeln Unterschriften und fordern, dass er keine ‚deutschen‘ Frauen behandeln darf. Er wird rassistisch beschimpft und schließlich entlassen.

Dr. Mohamed Helmy (rechts) mit Freunden vor seiner Praxis

Er behandelt nun Patient*innen in seiner Wohnung in der Berliner Krefelder Str. 7. Darunter befinden sich auch Untergetauchte, unter ihnen Jüd*innen, die nicht zu ‚arischen‘ Ärzt*innen gehen können. 1939 wird Helmy von der Gestapo verhaftet und wieder freigelassen. Er praktiziert weiter in seiner Wohnung. Von 1942 bis Kriegsende wird er zwangsverpflichtet, die Praxis eines einberufenen Arztes zu vertreten. Er schreibt großzügig ‚Fremdarbeiter*innen‘ und auch ‚Deutsche’ krank und sorgt dafür, dass einige seiner Patient*innen nicht zu allzu schwerer Arbeit oder zum ‚Volkssturm‘ eingezogen werden. 

Nach der Befreiung von den Nationalsozialist*innen bleibt Dr. Helmy in Berlin. Er arbeitet weiter als Arzt und beantragt Entschädigung, die ihm 20 Jahre später zugebilligt wird. Er stirbt 1982 in seiner Wahlheimat. In den 1990er Jahren erzählt ein ehemaliger Mitbewohner Helmys neuen Mieter*innen in der Krefelder Str., dass ein hier ansässiger ägyptischer Arzt im Nationalsozialismus Menschen das Leben gerettet hatte. Die Recherchen nehmen ihren Lauf. 2013 wird Dr. Helmy in Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt, weil er einer jüdischen Familie zum Überleben verholfen hat. An der Hauswand der Krefelder Straße 7 in Moabit, Helmys Wohnsitz während des Nationalsozialismus, wird 2014 eine Gedenktafel zu seinen Ehren angebracht.

Abbildung Gedenktafel Krefelder Str. 7 in Berlin-Moabit, 2019